Blog 

Lesenswerte Bücher zur Geschichte im Großen und Ganzen

 

In diesem Blog hinterlege ich in unregelmäßiger Folge kurze Essays zu lesenswerten Büchern und anderen Texten, die mir begegnet sind. Inhaltlich geht es um alles, was mit Geschichte im Großen und Ganzen zu tun hat. 

Was ist Geschichte? Wie verläuft sie und hat sie irgendeinen Sinn? Können wir aus ihr lernen? Warum interessieren wir uns eigentlich für Vergangenes, und inwieweit können wir weit zurückliegende Sachverhalte überhaupt zuverlässig erkennen? Fragen wie diese sind mir in meinem Berufsleben als Archivar in zahlreichen Gesprächen mit interessierten Menschen immer wieder begegnet. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung interessieren mich weniger Debatten im Elfenbeinturm als elementare Überlegungen, wie sie viele Menschen anstellen. Es ist eine Besonderheit des historischen Denkens wie auch der praktischen Arbeit an der Geschichte, dass sie oft bei Vorstellungen von der Geschichte im Großen und Ganzen ihren Ausgang nehmen. 

Berücksichtigt werden ältere Veröffentlichungen, die ich wiederentdeckt habe: Standardwerke ebenso wie eher entlegene oder fast vergessene Schriften. Denn auf diesem Gebiet ist nicht alles veraltet, was von früher stammt.

Ein Festvortrag für „unser Hauptstaatsarchiv“

Über Reinhart Koselleck, Archivalien – Quellen – Geschichten (1982)

Als das damalige Hauptstaatsarchiv Düsseldorf 1982 sein 150-jähriges Jubiläum feierte, lud es Reinhart Koselleck (1923-2006) ein, den Festvortrag zu halten. Wir verdanken diesem Anlass eine archivtheoretische Skizze aus seiner Feder – viele Jahre bevor das Thema Archiv zu einer postmodernen Mode wurde. Die Gedanken des Bielefelder Historikers können es mit den Nachfolgern auf diesem Gebiet aufnehmen.

Weiterlesen »

Die Entdeckung der Historie im alltäglichen Leben

Über Rolf Schörken, Begegnungen mit Geschichte (1995)

Der Pädagoge und Historiker Rolf Schörken (1928–2014) hat den Blick auf die Gegenwärtigkeit des Vergangenen in der Lebenswelt von uns Menschen gelenkt; Geschichte ist im Alltag präsent. Den „außerwissenschaftlichen“ Umgang mit ihr begreift er als eine Sphäre „eigenen Rechts“. Sein Buch durchstreift dieses Gebiet und steckt voller interessanter Beobachtungen.

Weiterlesen »

Der Nationalsozialismus als Wendepunkt

Über Karl Löwith, Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933 (1940, erschienen 1986)

Karl Löwith (1897–1973) hat die Geistesgeschichte des europäischen Nihilismus geschrieben und wandte sich von einem überdehnten geschichtlichen Denken ab, das dem „Zeitgeist“ unterworfen ist. Ein posthum veröffentlichter Bericht über seine Erfahrungen im nationalsozialistischen Deutschland und im Exil lässt erkennen, wie stark das Jahr 1933 auch geistig für ihn zu einem Wendepunkt wurde.

Weiterlesen »

Als Theorie zu einem Thema wurde

Über Karl-Georg Faber, Theorie der Geschichtswissenschaft (1971)

„Theorie“ war in den Augen von Karl-Georg Faber (1925–1982) keine Lizenz für abgedrehte Gedankenspiele, sondern ein Ort für „praktizierende Historiker, [...] über [ihre] Tätigkeit nachzudenken“. Es lohnt sich, diesen Pionier der Geschichtstheorie in Deutschland in Erinnerung zu rufen, denn er besticht durch klare Gedankenführung und begriffliche Präzision.

Weiterlesen »