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Facetten historischen Denkens 

Bücher aus den letzten 100 Jahren - wiedergelesen

Regal mit Büchern zum historischen Denken

Foto: privat  

Dieser Blog enthält kurze Essays, in denen anhand lesenswerter Bücher und anderer Texte Facetten historischen Denkens sichtbar werden.

Dabei soll die Geschichtskultur in ihrer ganzen Vielfalt und Breite Berücksichtigung finden. Zu ihr gehören nicht nur Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung, sondern auch die Arbeit von Archiven, Museen und Denkmalpflege sowie die historische Bildung. Neben dem professionellen Umgang mit Geschichte darf zudem die Gegenwärtigkeit des Vergangenen im menschlichen Alltag, in der Öffentlichkeit sowie im politischen und kulturellen Leben nicht übersehen werden.

Grundfragen des historischen Denkens sind mir in meinem Berufsleben als Archivar in zahlreichen Gesprächen mit interessierten Menschen immer wieder begegnet. Angesichts dieser Erfahrung zählen für mich weniger Debatten im Elfenbeinturm als elementare Überlegungen, die Wege zur Geschichtskultur ebnen.

Berücksichtigt werden einzelne Veröffentlichungen, die mich besonders angesprochen und beschäftigt haben. Standardwerke sind ebenso darunter wie eher entlegene oder fast vergessene Schriften, die eine Wiederentdeckung verdienen.

Die Zahl der in diesem Themenfeld erschienenen Bücher ist riesig. Die getroffene Auswahl ist gewiss subjektiv und beansprucht schon deshalb nicht, das gesamte Gebiet abzudecken.

Kann uns die ‚große‘ Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts noch Vorbild sein?

Über Joachim Fest, Wege zur Geschichte (1992)

Joachim Fest (1926–2006), Hitler-Biograph und streitbarer Publizist, wurde vor hundert Jahren geboren und starb vor zwanzig Jahren. Durch die Notwendigkeit, die NS-Zeit aufzuarbeiten, kam er zur Zeitgeschichte. In zahlreichen Essays schlagen sich jedoch seine sonstigen kulturellen, literarischen und politischen Neigungen nieder. In dem hier behandelten Band widmet er sich drei Historikern, die seiner Einschätzung nach Maßstäbe setzten: Theodor Mommsen, Jacob Burckhardt und Golo Mann.

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Plädoyer für historische Wahrheit

Über Henri-Irénée Marrou, De la connaissance historique (1954, ins Dt. übersetzt 1973)

Das schwungvoll und elegant geschriebene „kleine Buch“ des französischen Althistorikers, Augustin-Forschers und  engagierten Katholiken Henri-Irenée Marrou (1904–1977) nimmt die historischen „Werkstätten“ in den Blick und thematisiert sie als Ort der „Erkenntnis des Menschen durch den Menschen“. Von Existentialismus und Personalismus beeinflusst, stellt Marrou dabei den Begriff der Wahrheit und zugleich den subjektiven Anteil, den jede historische Erkenntnis aufweist, ins Zentrum seiner Überlegungen.

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Ein Festvortrag für „unser Hauptstaatsarchiv“

Über Reinhart Koselleck, Archivalien – Quellen – Geschichten (1982)

Als das damalige Hauptstaatsarchiv Düsseldorf 1982 sein 150-jähriges Jubiläum feierte, lud es Reinhart Koselleck (1923-2006) ein, den Festvortrag zu halten. Wir verdanken diesem Anlass eine archivtheoretische Skizze aus seiner Feder – viele Jahre bevor das Thema Archiv zu einer postmodernen Mode wurde. Die Gelegenheitsschrift des Bielefelder Historikers kann es mit den nachfolgenden Theorie-Angeboten auf diesem Gebiet durchaus aufnehmen.

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Die Entdeckung der Historie im alltäglichen Leben

Über Rolf Schörken, Begegnungen mit Geschichte (1995)

Der Pädagoge und Historiker Rolf Schörken (1928–2014) hat den Blick auf die Gegenwärtigkeit des Vergangenen in der Lebenswelt von uns Menschen gelenkt; Geschichte ist - so lautet seine These - im Alltag vielfach präsent. Den „außerwissenschaftlichen“ Umgang mit ihr begreift er als eine Sphäre „eigenen Rechts“. Sein Buch durchstreift dieses Gebiet und steckt voller interessanter Funde und Beobachtungen. 

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„Alles ist anders, als es war“. Der Nationalsozialismus als Wendepunkt

Über Karl Löwith, Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933 (1940, erschienen 1986)

Karl Löwith (1897–1973) hat die Geistesgeschichte des europäischen Nihilismus geschrieben, befasste sich mit den theologischen Voraussetzungen der Geschichtsphilosophie und wandte sich von einem überdehnten geschichtlichen Denken ab, das dem „Zeitgeist“ unterworfen ist. Ein posthum veröffentlichter Bericht über seine Erfahrungen im nationalsozialistischen Deutschland und im Exil lässt erkennen, wie stark das Jahr 1933 auch geistig für ihn zu einem Wendepunkt wurde.

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Als Theorie zu einem Thema wurde

Über Karl-Georg Faber, Theorie der Geschichtswissenschaft (1971)

„Theorie“ war in den Augen von Karl-Georg Faber (1925–1982) keine Lizenz für abgedrehte Gedankenspiele, sondern ein Ort für „praktizierende Historiker, [...] über [ihre] Tätigkeit nachzudenken“. Es lohnt sich, diesen Pionier der Geschichtstheorie in Deutschland in Erinnerung zu rufen, dessen wissenschaftstheoretischer Entwurf bis zu seinem frühen Tod viel beachtet war. Denn er besticht durch klare Gedankenführung und begriffliche Präzision.

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